Heiliges Haus Der ideelle und faktische Mittelpunkt des Komplexes ist die vera effigiens, das „wahre Abbild“ des italienischen Musters (nach barocker Auslegung wird durch die äußere Form des Kultgegenstandes auch desen „sacrum“ übertragen). Die Grundsteinlegung des Hauses am 3. 6. 1626 war der Beginn der Geschichte des ganzen Wallfahrtsortes. Erste Schirmherrin und Gründerin war Benigna Katharina von Lobkowicz, die als Architekten des Hauses den Wiener Italiener G. B. Orsi (gest. 1641) berief. Den Bau weihte am 25.3.1631 der Prager Erzbischof Ernst Adalbert Kardinal Graf von Harrach.

Die Außenwände des Hauses schmückte ursprünglich nur Malerei; erst in den 60er und 70er Jahren des 17. Jahrhunderts wurde auf Kosten von Elisabeth Apolonia Gräfin Kolowrat die Reliefummantelung der Wände in Stuck angefertigt, die zu einem erheblichen Teil von dem Italiener G. B. Cometa (1620-1687) stammt. Das ikonografische Programm der Ausschmückung (konsequent von der italienischen Vorlage abgeleitet) umfaßt Reliefs aus dem Leben der Jungfrau Maria mit der Betonung auf der Kindheit Christi (der Zyklus beginnt auf der der Franziskuskapelle zugewandten Nordseite und setzt sich gegen den Uhrzeigersinn fort): Nordseite - Geburt Mariens, Verlobung Mariens; Westseite - Verkündigung an Maria, Maria zu Besuch bei Elisabeth und die Heilige Familie bei der Volkszählung in Bethlehem; Südseite - Geburt des Herrn, Anbetung des neugeborenen Jesus durch die Hirten und die Heiligen Drei Könige; Ostseite - Tod Mariens und Versetzung des Heiligen Hauses. Die Relieffelder sind durch Nischen mit beinahe freien Statuen sitzender alttestamentlicher Propheten (in der unteren Etage) und stehender heidnischer Sibyllen (in der oberen Etage) von einander getrennt - also derer, die die Geburt Christi und Mariens vorhergesagt haben.



Das Innere ist in traditioneller Weise durch eine silberne (teilweise hölzerne) Gitterwand mit angebautem Altar in zwei Teile geteilt. Im kleineren Raum befindet sich das Gnadenbild der Jungfrau Maria von Loreto, das in Lindenholz das heute nicht mehr existierende Original aus Zedernholz kopiert, und zwar einschließlich der Nachdunkelungen des ursprünglichen Materials in den Partien des Inkarnats. Die Statue steht in einem reichen Rahmen aus getriebenem Silber von 1671 mit dem Wappen der Stifterin Elisabeth Apolena Gräfin Kolowrat geb. Tilly. Die meisten Gegenstände im Heiligen Haus (Reliquiare, Obelisken, Kerzenhalter, Lampen und liturgisches Gerät) stammen aus dem 17. Jahrhundert. Die künstlichen Freskofragmente auf dem rustikalen Ziegelmauerwerk des Hauses schuf F. Kunz erst 1795.

Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft,  

und sie empfing vom Heiligen Geist. Gegrüßet seist du, Maria ...

Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn;

mir geschehe nach deinem Wort. Gegrüßet seist du, Maria ...

Und das Wort ist Fleisch geworden

und hat unter uns gewohnt. Gegrüßet seist du, Maria ...

Bitte für uns, heilige Gottesmutter,

daß wir würdig werden der Verheißung Christi..

Lasset uns beten: Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes erkannt. Laß uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 Amen.