Das neue Treppenhaus führt den Besucher in den ersten Stock des Kreuzganges zu den Räumen der neuen Schatzkammer mit einer Ausstellung eines Teils des lauretanischen Schatzes. Diese Sammlung hervorragender kunsthandwerklicher Arbeiten ist neben dem Schatz am St. Veitsdom die einzige erhaltene in der Tschechischen Republik. 

Das sowohl künstlerisch als auch preislich wertvollste Stück ist die berühmte diamantene Monstranz, die in den Jahren 1696-99 in den Wiener Hofwerkstätten von J. B. Khünischbauer und M. Stegner angefertigt wurde. Die 6222 Diamanten, die dieses Kleinod zieren, sind ein Vermächtnis von Ludmilla Eva Franziska Gräfin Kolowrat. Praktische Verwendung findet dieses Kleinod in der Liturgie heute nur noch selten, sie ist auf außerordentlich feierliche Augenblicke beschränkt. Zum letzten Mal konnten die Pilger den in der Gloriole glänzender Diamanten ausgestellten Leib des Herrn bei den Feierlichkeiten im Herbst 1999 verehren, als 400 Jahre seit der Ankunft der ersten Kapuziner in Böhmen verstrichen waren.

Das einzige spätmittelalterliche Werk der Schatzes ist ein vergoldeter Silberkelch, der auf dem Schaft auf das Jahr 1510 datiert ist. Diese anonyme, nach der formalen Anordnung und der Verwendung der Heiligen bei der Ausschmückung höchstwahrscheinlich böhmische Arbeit ist in kombinierter Technik verziert. Der Korb der Schale (der eigentlichen Körper des Gefäßes) trägt sechs abwechselnd blaue und rote Emailfelder mit linearisierenden Halbfiguren Heiliger, Christi als Schmerzensmann und der Jungfrau Maria, während sich auf dem sechslappigen Fuß reliefartige gegossene und leicht ziselierte Halbfiguren befinden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß dieser Kelch, den Christoph Ferdinand Freiherr von Lobkowicz dem Loreto 1654 stiftete, ursprünglich aus dem St. Veits-Schatz stammt.

Zu den wertvollsten Stücken der Sammlung gehört auch ein Hausaltar aus Ebenholz mit einer silbernen Figurengruppe der Geburt des Herrn. Die Krippenszene ist in eine präzise gearbeitete Portalarchitektur mit einer Reihe silberner filigraner Ergänzungen gesetzt. Den Aufsatz zieren die silbernen Statuen einer Pietà und Christi als Salvator Mundi. Die Arbeit ist gekennzeichnet mit dem Wappen der Familie Mollart, aus der die mit Adam Gallus Popel von Lobkowicz verheiratete Maria, die Mutter Benigna Katharina von Lobkowicz’, stammte. Es ist demnach sehr wahrscheinlich, daß die Gründerin selbst dem Loreto den Altar als Familienstück stiftete. Das Werk trägt das Augsburger Zeichen AL und stammt offenbar von der Hand des Goldschmieds Abraham Lotter d.J., der in Augsburg in den Jahren 1618-1625 belegt ist. (Eine vergleichbare Arbeit wird in der Schatzkammer der Münchner Residenz verwahrt.)